Feedback als Chance für Schulen

Infografik zu Feedback des PL RLP

Feedbackkulturen weiter entwickeln – Mögliche Vorgehensweise einer Schule

Erfahren Sie, wie Sie an Ihrer Schule eine Feedback-Kultur entwickeln können!

Immer nur meckern bringt nichts – erst wenn es für Rückmeldungen einen festen Rahmen gibt, können diese konstruktiv genutzt werden. An Schulen profitieren alle Beteiligten davon, über ihre Wünsche und Bedürfnisse zu kommunizieren. Dafür braucht es gar nicht viel: Schon mit wenig Aufwand lassen sich wichtige Schritte hin zu einer produktiven Feedbackkultur verwirklichen. Durch die gemeinsame Auswertung von Alltagssituationen oder Problemen und wertschätzende Rückmeldungen für Gruppen oder Einzelpersonen können Veränderungsprozesse angestoßen, Ziele ausgehandelt und vereinbart und deren Realisierung überprüft werden. Ein beständiger Austausch über die angestoßenen Prozesse bestärkt eine offene und vertrauensvolle Schulkultur, in der jeder seine Meinung einbringen kann. Wie dies im Detail funktionieren kann, haben wir für Sie zusammengestellt.

"Feedbackprozesse bieten die Möglichkeit, die Selbstwahrnehmung systematisch mit der Fremdwahrnehmung zu vergleichen sowie die Wirkung eigener Verhaltensweisen kennenzulernen, um diese entsprechend zu verändern."
(Quelle: ABC der Demokratiepädagogik, DeGeDe e.V.)

Was macht gutes Feedback aus?

Damit aus der reinen Methode eine Feedbackkultur in der Schule werden kann, sollten die folgenden Fragen häufiger gestellt werden: Was läuft gut? Was läuft schlecht? Was muss verbessert werden? So kann das Ziel erreicht werden, den Unterricht und die Schule an sich durch Kommunikation zum Positiven zu verändern. An allen Schulen gibt es schon Ansätze von Lehrer-Schüler, Lehrer-Lehrer, Schüler-Schüler oder Schüler-Lehrer-Feedback. Für die verschiedenen Anwendungsgebiete von Feedback an Schulen gibt es sinnvolle Ansätze, die situationsgemäß ausgewählt werden können:

  • Beim individuellen Feedback in partnerschaftlicher Beziehung ist es wichtig, die persönliche Weiterentwicklung des Gegenübers im Blick zu behalten und dem Feedback-Empfänger dabei Handlungsoptionen offen zu lassen. Die Rückmeldung sollte dabei möglichst vom Empfänger gewünscht sein, zeitnah erfolgen und am besten konkret und hilfreich formuliert sein.
  • Bei schriftlichen Befragungen kann mit Fragebögen mit festen Antworten oder offenen Fragen gearbeitet werden. Die Schlussfolgerungen sollten offengelegt werden.
  • Auch mündliche Befragungen und Diskussionen, insbesondere über die Ergebnisse von Erhebungen, können ein zentraler Bestandteil des Prozesses sein.
  • Für schnelle Rückmeldungen von größeren Gruppen bieten sich Kurzfeedbacks an (Zielscheiben, Barometer, Blitzlicht...). In der Methodenbox der Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. finden Sie neue Ideen für solche Methoden. 
  • Beim Lehrer-Lehrer-Feedback sind Unterrichtshospitationen und kollegiale Beratung bei der Unterrichtsvorbereitung hilfreich.
  • Eine externe Beratung zu Feedbackmethoden und Qualitätsentwicklung kann sich für Schulen sehr lohnen.
Feedback als Chance für die Unterrichtsentwicklung

Feedback von Schülern an Lehrer setzt ein großes Vertrauensverhältnis voraus. Schüler-Lehrer-Feedback bietet viel Potential für die Weiterentwicklung des Unterrichts, wie auch Thomas Unruh und Susanne Petersen in ihrem Buch zusammenfassen: „Guter Unterricht erhöht die Zufriedenheit bei allen Beteiligten, erzeugt mehr Motivation, eine höhere Verantwortung und bessere Leistungen. Allein die Tatsache, gefragt und sehr ernst genommen zu werden, ist ein Signal, das die Schüler hoch schätzen und honorieren.“ Wobei es natürlich auch von Seiten der Schüler gelernt werden muss, positive Rückmeldungen zu formulieren: Oftmals ist Lob an Lehrer als „Streben” oder „Schleimen” verpönt. Dabei hilft es allen weiter, zu trainieren, wie man Erfolge und Stärken wahrnimmt und verstärkt. Ein erster Schritt ist, Rituale für Feedback einzuführen und sich regelmäßig gegenseitig Rückmeldungen zu geben, die auch Konsequenzen haben. Auszuprobieren ist die einzige Möglichkeit herauszufinden, ob man mit schriftlichen Befragungen oder Kurzfeedbacks arbeiten möchte.

Feedback als Chance für den Lernfortschritt

Schülerinnen und Schüler können davon nur profitieren, konstruktives Feedback zu erhalten. Im Idealfall lernen sie von Anfang an, wie sie ihre Bedürfnisse kommunizieren können, geben selbst wertschätzende Rückmeldungen, lernen auf die Wünsche der anderen einzugehen und an deren Kritik zu wachsen. Die Kommunikation ist von einem respektvollen Umgang miteinander und einer Atmosphäre der Wertschätzung geprägt. Schüler sind es gewohnt, Feedback vom Lehrer über ihre Lernfortschritte zu bekommen und bestenfalls daraus zu lernen. Dieser Prozess kann beispielsweise durch ihre Selbsteinschätzung anhand eines Logbuchs verstärkt werden. Sie setzen sich selbst Ziele und überprüfen ihre eigenen Entwicklungsfortschritte. Die Lehrkraft begleitet sie und hilft ihnen bei diesem Lernprozess. Auch partnerschaftliches Peer-to-Peer-Feedback von anderen Schülern kann eine hilfreiche Maßnahme sein.

Der Film der Initiative „Schule im Aufbruch“ zeigt anschaulich, wie Schülerinnen und Schülern im Tutorengespräch kontinuierlich durch Feedback bei ihrem Lernprozess begleitet werden:

Das Tutorgespräch - Der Film von Schule im Aufbruch auf Vimeo.

 

Feedback als Chance für die Elternbeteiligung

Eine kooperative Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrern hat positive Auswirkungen für das Schulleben. Statt wegen mangelnder Kommunikation unnötig Energie mit anstrengenden Konflikten zu verlieren, fördert eine regelmäßige Kommunikation die Entwicklung der Schülerinnen und Schüler. Eltern haben auch jenseits der Erziehung ihrer Kinder viel zum Schulleben beizutragen: Sie bringen sich in der Elternvertretung ein, richten Workshops für die Klasse aus oder haben gute Ideen, die Schule weiterzubringen. Ein geeignetes Instrument, um einen produktiven Austausch anzustoßen, ist das regelmäßige Lehrer-Schüler-Elterngespräch. Neben der persönlichen Ebene und dem informellen Austausch ist es wichtig, das Gespräch sinnvoll vor- und nachzubereiten. Dafür sind gemeinsame Zielvereinbarungen geeignet.

Feedback als Chance für die Schulentwicklung

Systematische Befragungen aller schulischen Akteure haben sich für Schulentwicklungsprozesse bewährt. Zahlreiche Schulen arbeiten mit dem Selbstevaluationsinstrument in Schulen (SEIS) – ein fertig ausgearbeitetes Programm zur Qualitätssicherung an Schulen. Es werden alle schulischen Akteure online oder in Papierform befragt und die Antworten zentral ausgewertet. Die Schule erhält die fertig ausgewerteten Daten und kann intern Konsequenzen aus den Ergebnissen ziehen. Für Ganztagsschulen gibt es ein zusätzliches Ganztagsmodul. Für SEIS anmelden können sich Schulen bei den SEIS-Landeskoordinatoren in Rheinland-Pfalz

Eine Einführung zu SEIS im Video der Bertelsmann Stiftung:

Schulbeispiel: Friedrich Weinbrenner Gewerbeschule Freiburg (FWG)

Eine Erprobung unterschiedlicher Feedbackmethoden kann in der Praxis sehr hilfreich sein. In der Toolbox Bildung ist dokumentiert, was die Friedrich Weinbrenner Gewerbeschule Freiburg (FWG) seit Jahren intensiv ausprobiert hat. Unter anderem hat die Schule mit dem Selbstevaluationsinstrument in Schulen (SEIS) gearbeitet.

"Das wichtigste Ergebnis ist der Dialog mit den Beteiligten (Schüler, Lehrer, Eltern, Ausbilder, Hausmeister, Sekretariat). Die Ergebnisse bieten einen Anlass zur Weiterentwicklung von Unterricht und Schule.” Jochen Möller, schulischer SEIS-Beauftragter der Friedrich Weinbrenner Gewerbeschule Freiburg" (Quelle: Toolbox Bildung)

Die Schule hat aus ihren jahrelangen Bemühungen zahlreiche Schlüsse gezogen, um zu verhindern, dass Feedback als willkürlich oder wirkungslos wahrgenommen wird. Von zentraler Bedeutung dafür ist die Dokumentation der Feedbackaktivitäten: Nur wenn die Häufigkeit, der Rahmen, die angewandten Methoden und die Diskussion über die erhobenen Daten regelmäßig erfasst werden, können die Entwicklungsprozesse abgebildet werden. Die Konsequenzen aus den Befragungen, wie neue Schwerpunktsetzungen, Fortbildungen für Schüler und Lehrer und konkrete Änderungen an der Schule, müssen umgesetzt werden.

Externe Evaluation als Chance nutzen

Regelmäßige Fremdevaluation durch externe Organisationen helfen Schulen bei ihrer Weiterentwicklung, wenn danach die Ergebnisse intern diskutiert und genutzt werden. Die Agentur für Qualitätssicherung, Evaluation und Selbstständigkeit von Schulen (AQS) führt Onlinebefragungen durch, die in die schriftlichen Berichte für die Schulen einfließen und besonders aussagekräftig für Schulen sind. Die AQS richtet sich bei der externen Evaluation der staatlichen Schulen nach dem Orientierungsrahmen Schulqualität, der für Schulen eine große Unterstützung bei ihrer Weiterentwicklung ist. Bei dessen Umsetzung helfen die Beraterinnen und Berater für Schulentwicklung des Pädagogischen Beratungssystems des Landes Rheinland-Pfalz. Sie unterstützen Schulen ganz konkret durch individuelle Beratung bei der Etablierung einer Feedbackkultur. Die Fortbildungsreihe „Bausteine Schulentwicklung konkret“ des Pädagogischen Landesinstituts richtet sich besonders an Steuergruppenmitglieder und Lehrkräfte, die an Schulentwicklung interessiert sind. Auch in diesem Jahr wird unter anderem der „Baustein 7: Die Feedbackkultur weiterentwickeln“ angeboten. Die einzelnen Module sind auch schulintern durchführbar.